Ein niedriger Dehydroepiandrosteronsulfat-Spiegel im Serum steht bei Männern mit Typ-2-Diabetes mellitus im Zusammenhang mit einer diabetischen Retinopathie

Ziel: Androgene werden zunehmend als wichtige Regulatoren des Stoffwechselgleichgewichts und der Gefäßintegrität anerkannt. Ihr Zusammenhang mit der diabetischen Retinopathie (DR) ist jedoch noch nicht vollständig geklärt und scheint je nach Geschlecht unterschiedlich zu sein. Ziel der vorliegenden Studie war es, die Zusammenhänge zwischen den Serumspiegeln von Gesamt-Testosteron (TT), Dehydroepiandrosteronsulfat (DHEAS) und Androstendion (ASD) und dem DR-Risiko bei Personen mit Typ-2-Diabetes mellitus (T2DM) zu untersuchen, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf geschlechtsspezifischen Analysen lag.

Methoden: Im Rahmen dieser Querschnittsstudie wurden 796 hospitalisierte T2DM-Fälle analysiert. Die Serumkonzentrationen von TT, DHEAS und ASD wurden mittels Chemilumineszenz-Immunoassays bestimmt. Zur Beurteilung der Zusammenhänge zwischen den Androgenspiegeln und dem Vorliegen einer DR wurde eine multivariable logistische Regression verwendet, wobei die Analysen getrennt für Männer und Frauen durchgeführt wurden, um geschlechtsspezifische Unterschiede zu berücksichtigen.

Ergebnisse: Bei den männlichen Teilnehmern zeigten die Serum-DHEAS-Spiegel nach umfassender Bereinigung um potenzielle Störvariablen einen unabhängigen und inversen Zusammenhang mit dem DR-Risiko (3. Tertil vs. 1. Tertil: OR = 0,43, 95 %-KI: 0,23–0,82; P für Trend = 0,007). Die Modellierung mittels eingeschränkter kubischer Splines zeigte eine annähernd lineare inverse Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen den DHEAS-Konzentrationen und dem DR-Risiko (insgesamt P < 0,001; nichtlinear P = 0,193). Bei Männern wurden keine Korrelationen zwischen den Serumspiegeln von TT oder ASD und DR festgestellt. Bei weiblichen Patientinnen war der inverse Zusammenhang zwischen TT und DR abgeschwächt und nach vollständiger multivariater Adjustierung nicht mehr signifikant; weder DHEAS noch ASD zeigten einen statistisch signifikanten Zusammenhang mit dem DR-Risiko.

Schlussfolgerungen: Niedrigere DHEAS-Konzentrationen im Serum stehen in einem unabhängigen Zusammenhang mit einem erhöhten DR-Risiko bei Männern mit T2DM, was auf eine mögliche Rolle von DHEAS in der Pathophysiologie der DR bei Männern hindeutet.

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