Adrenopause und Dehydroepiandrosteron: pharmakologische Therapie vs. Ersatztherapie

Autor(en):

Römmler A

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Publikation:

Gynakol Geburtshilfliche Rundsch . 2003 Apr;43(2):79-90.

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DOI-Link:

https://doi.org/10.1159/000069165

Hintergrund

Die Adrenopause ist eine altersbedingte partielle Insuffizienz der Nebennierenrinde, die sich in niedrigen Dehydroepiandrosteron-(DHEA)- und Dehydroepiandrosteronsulfat-(DS)-Blutwerten bei gleichzeitig unverändertem Kortisolspiegel manifestiert. Es sind zahlreiche Auswirkungen auf das zentrale und periphere Nervensystem bekannt, die teils auf die Eigenschaft von DHEA als unabhängiges Hormon und teils auf seinen Einfluss als Vorläufersubstanz der Sexualhormone zurückzuführen sind. Epidemiologische Daten zur positiven Wirkung von DHEA in Bezug auf die Morbidität und Mortalität bei Männern sowie klinische Berichte über die vielversprechende Wirkung einer ergänzenden Behandlung mit DHEA bei älteren Personen lassen darauf schließen, dass eine kontrollierte Ersatztherapie in der Prävention und Behandlung degenerativer Prozesse beim Menschen nützlich sein könnte. Unabhängig von der individuellen Ausprägung der Adrenopause erhielten Männer in den bisherigen Studien eine fixe Tagesdosis von 50 – 100 mg und Frauen 25 – 50 mg. Mit diesem Therapieschema wurde die DS-Serumkonzentration in den oberen Normbereich und zumeist darüber angehoben, wodurch eine pharmakologische Wirkung erzielt wurde.

Patienten und Methodik

Wir berichten über unsere Erfahrungen im Rahmen einer DHEA-Dosisfindungsstudie an 100 männlichen und 100 weiblichen Probanden in der Adrenopause, alle im Alter zwischen 46 und 74 Jahren. Über einen Zeitraum von 6 – 12 Wochen war die geeignete orale DHEA-Tagesdosis zu finden. Ziel war es, den DS-Tageshöchstwert zwischen 3 und 5 Std. nach der Einnahme am Morgen bei den Frauen auf 2,0 – 2,8 pg / ml und bei den Männern auf 4,0 – 5,0 gg / ml anzuheben. Von diesen Werten nimmt man an, dass sie in einem Bereich liegen, der der optimalen Konzentration bei gesunden Erwachsenen in der dritten Lebensdekade (Kontrollgruppe) entspricht.

Ergebnisse

Es waren bei 18, 26, 34, 19 bzw. 3 % der Frauen jeweils 5, 10, 15, 25 bzw. 50 mg DHEA und bei 5, 13, 51, 17 bzw. 14 % der Männer jeweils 15, 25, 50, 75 bzw. 100 mg DHEA für diesen Zweck geeignet. Bei dem Therapieschema mit dieser Dosisanpassung kam es zu einem signifikanten Anstieg der Serumkonzentration (Durchschnittswerte ± Standardabweichung) (p < 0,01):

(a) bei den Frauen stieg der DS-Wert von 0,7 ± 0,4 auf 2,4 + 0,5 Mikrogramm / ml, das freie Testosteron von 0,4 ± 0,4 auf 0,9 ± 0,5 pg / ml und der Androstendion-Wert von 0,8 ± 0,4 auf 1,4 + 0,4 ng / ml;

(b) bei den Männern stieg der DS-Wert von 1,4 ± 0,5 auf 4,1 + 0,7 Mikrogramm / ml, das freie Testosteron von 10,9 + 4,1 auf 14,7  ± 4,5 pg / ml, Androstendion von 1,2 ± 0,5 auf 2,0 ± 0,6 ng / ml, Östron von 28 ± 14 auf 41 ± 19 pg / ml und Östradiol von 16 ± 8 auf 31 ± 15 pg / ml. Bei unzureichender Dosierung kam es bei 34, 17, 9, 31, 21 bzw. 11 % der Frauen jeweils zu Nebenwirkungen wie Schläfrigkeit, Ruhelosigkeit, Kopfschmerzen, Akne/Hirsutismus, Effluvium bzw. Körpergeruch. Nach Anpassung der individuellen DS-Dosis auf einen geeigneten Serumwert traten diese Nebenwirkung deutlich seltener auf (p < 0,05; p < 0,2 bei Fällen mit Kopfschmerzen) und wurden nur mehr bei 8, 2, 4, 6, 7 bzw. 0 % festgestellt. Bei den Männern wurden diese Symptome nur gelegentlich beobachtet.

Schlussfolgerung

Wir empfehlen bei der Adrenopause eine Ersatztherapie mit einer «individuell angepassten» niedrigen DHEA-Dosis zwischen 5 und 50 mg bei den Frauen und 15 und 100 mg bei den Männern, um die DS-Spitzenkonzentration in den physiologischen Bereich jüngerer Erwachsener anzuheben. Dieses Verfahren wird seit 5 Jahren routinemäßig angewendet und führte zu einer ausgezeichneten Patienten-Compliance. Im Gegensatz dazu erscheint eine pharmakologische Verabreichung von DHEA in hoher Dosierung für Patienten mit systemischem Lupus erythematodes (SLE) und anderen verwandten Erkrankungen geeignet.

Prozentuale Verteilung der Frauen und Männer in verschiedene Dosisgruppen, um einen normalen DHEA-S Serumwert nach oraler DHEA-Gabe zu erzielen.
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