Die Alterung des Immunsystems rückt zunehmend in den Fokus der öffentlichen Gesundheit, da die Lebenserwartung steigt, ohne dass sich dies in einer entsprechenden Zunahme der gesundheitsbezogenen Lebenserwartung niederschlägt. Mit fortschreitendem Alter unterliegen das angeborene und das adaptive Immunsystem Veränderungen, die als „Inflammaging“ bzw. „Immunseneszenz“ bezeichnet werden. Eine Fülle verfügbarer Daten belegt, dass diese beiden Zustände eng miteinander verbunden sind, was zu einer erhöhten Anfälligkeit älterer Menschen für virale, bakterielle und opportunistische Infektionen sowie zu einem geringeren Impfschutz führt. Um diesem neuen Szenario zu begegnen, ist eine eingehende Bewertung der an dieser sich wandelnden Epidemiologie beteiligten Immunakteure erforderlich, insbesondere hinsichtlich der individuellen und koordinierten Beteiligung von Immunzellen und Mediatoren im Zusammenhang mit endogenen und exogenen Faktoren sowie Komorbiditäten. Dieser Übersichtsartikel bietet eine umfassende, aktuelle Beschreibung der Veränderungen, die das alternde Immunsystem betreffen, und kann zum Verständnis der zugrunde liegenden Mechanismen beitragen, die mit den wichtigsten altersassoziierten Infektionskrankheiten verbunden sind.